Infrastruktur – auf Worte müssen Taten folgen
Europa redet gern: Über Wettbewerbsfähigkeit, strategische Autonomie und Resilienz. Und darüber, wie sich all das erreichen lässt. Der Infrastruktur kommt hierbei eine makroökonomische Schlüsselfunktion zu. Der Investitionsbedarf ist enorm.
Schienen, Straßen, Strom- und Datennetze, Rechenzentren auf der Erde und künftig vielleicht im Weltraum, Wasserwege, Umspannwerke, Satelliten… Kurzum: Eine funktionierende Infrastruktur bildet den materiellen Unterbau wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Wo Infrastruktur altert, wird der Alltag nicht nur beschwerlicher und weniger verlässlich. Auch das Potenzialwachstum einer Volkswirtschaft sinkt. Genau darin liegt Europas Problem: Der reale Kapitalstock ist in vielen Bereichen erkennbar in die Jahre gekommen. Zwar steigt der politische Wille, diesen Widerspruch zu korrigieren, gleichzeitig wird die Zeit immer knapper. Infrastrukturinvestitionen sind Standortpolitik, Sicherheitsarchitektur und – im Kern – die Frage, ob Europa sein Kapital wieder in die eigene Produktivität lenkt.
Die ökonomische Logik ist eindeutig. Infrastrukturinvestitionen erzeugen kurzfristig Nachfrage und steigern langfristig die Produktivität. Sie senken Transaktionskosten, stabilisieren Lieferketten, verbessern die Energie- und Datenversorgung und legen den Grundstein für künftigen Wohlstand. Der Investitionsbedarf in Europa ist gewaltig, die fiskalischen Spielräume sind begrenzt, mehrere historische Aufgaben überlagern sich: Dekarbonisierung, Digitalisierung, Substanzerhalt sowie die sicherheitspolitische Neuordnung der Welt. Infrastruktur wird so vom Ausgabenposten zur strategischen Anlage in die ökonomische Widerstandsfähigkeit.
Quellen: Europäische Zentralbank, AMECO, Metzler
Beispiel Deutschland: Mit dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität stellt der deutsche Staat über zehn Jahre bis zu 500 Mrd. EUR für Investitionen in zentrale Zukunftsbereiche wie Verkehr, Energie, Digitalisierung, Bildung und Gesundheit bereit. Ziel ist es, bestehende Investitionsrückstände abzubauen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern – denn gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zählt das Land zu den Staaten mit den niedrigsten öffentlichen Infrastruktur-Investitionsquoten.
Europas Herausforderung ist nun, den politischen Willen in investierbare Projekte umzusetzen, Kapital in konkrete Produktivität umzuwandeln.