US-Leitzinssenkung hängt vom Arbeitsmarkt ab
US-Notenbank in einem Dilemma
Die Federal Reserve steht an einem gefährlichen Scheideweg – zwischen einer fragilen Konjunktur und einem drohenden Glaubwürdigkeitsverlust. Die neu eingeführten US-Zölle markieren keinen bloßen temporären Preisschock. Vielmehr stehen sie exemplarisch für eine Rückkehr zu einer aktivistischeren, geopolitisch motivierten Handelspolitik, die längerfristige Auswirkungen auf das Inflationsregime haben könnte.
Der direkte Preiseffekt der Zölle mag nach einem Jahr aus den Preisindizes verschwinden, ähnlich wie bei einer Mehrwertsteuererhöhung. Doch ökonomisch entscheidend ist nicht die kurzfristige Inflationsrate – sondern die Frage, ob Inflationserwartungen stabil bleiben. Denn das Vertrauen in die langfristige Preisstabilität ist die eigentliche Ankerwährung der Geldpolitik.
Gerät diese ins Wanken, droht eine gefährliche Rückkoppelung: Unternehmen und Haushalte könnten höhere Inflationsraten zunehmend in ihre Entscheidungen als ein wahrscheinliches Szenario berücksichtigen, die Lohnforderungen steigen, die Preisweitergabe nimmt zu – und die Fed verliert ihre Kontrolle über die nominale Verankerung. Dies wäre kein konjunkturelles, sondern ein strukturelles Problem, das nicht mit ein oder zwei Zinsschritten zu beheben wäre.
Die stille Kontraktion
Parallel zur Inflationsdebatte mehren sich die Zeichen einer konjunkturellen Abkühlung. Die Kaufkraft der Haushalte wird durch die höheren Importpreise geschwächt, die Unsicherheit über die wirtschaftspolitische Richtung der USA nimmt zu. Unternehmen reagieren mit Zurückhaltung bei Investitionen, Haushalte mit wachsender Konsumvorsicht.
In historischen Analogien wäre dies ein typisches Szenario für eine „weiche Landung“ – doch diesmal ist das Risiko einer härteren Kontraktion real, insbesondere da auch fiskalische Stimuli ausbleiben.
Die Fed orientiert sich traditionell nicht an Quartalswachstumsraten, sondern am Arbeitsmarkt. Unser Basisszenario sieht bis Jahresende eine moderate Rezession in den USA und einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4,5 Prozent.
Zugleich bleibt die zugrundeliegende Inflationsdynamik robust: Wir erwarten einen Anstieg des Kernkonsumentenpreisdeflators auf 4,0 Prozent.
Quellen: FRED (Federal Reserve Economic Data), Metzler; Stand 31.3.2025
Politischer Druck voraus?
Diese Diskrepanz zwischen Marktpreisbildung und Notenbankreaktionsfunktion dürfte in Washington nicht unbemerkt bleiben. Sollte die Fed am Mittwoch nicht liefern, wird die politische Reaktion – insbesondere seitens Donald Trump – vielleicht nicht lange auf sich warten lassen. Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte Trump wiederholt versucht, durch öffentliche Kritik Einfluss auf die Geldpolitik zu nehmen. Auch zuletzt gab es immer wieder Verbalattacken, die jedoch in einem Rückzug endeten.
Europa: Die Industrie am Tropf der Binnenkonjunktur
In der Eurozone richtet sich der Blick diese Woche auf die deutschen Auftragseingänge und Exporte. Letztere dürften kurzfristig durch Vorzieheffekte profitiert haben. Doch strukturell liegt das Problem tiefer: Ohne eine Belebung der Binnenkonjunktur und massive öffentliche Investitionen – insbesondere in Infrastruktur und Verteidigung – wird Deutschland nicht nachhaltig wachsen. Erst ab 2026 ist mit spürbarer fiskalischer Impulswirkung zu rechnen. Die Frage bleibt, wie lange die Industrie durchhält.
Geldpolitische Divergenz: Großbritannien und Japan
Die Bank of England steht unter zunehmendem Druck, angesichts der drohenden Wachstumsschwäche geldpolitisch gegenzusteuern. Eine Zinssenkung am Donnerstag gilt als wahrscheinlich, nicht zuletzt, um die negativen Effekte der US-Zollpolitik abzufedern.
In Japan hingegen zeigt sich ein Lichtblick: Die Löhne steigen in einem Maß, das reale Einkommenszuwächse ermöglicht. Sollte diese Dynamik anhalten, könnte der Konsum – anders als in früheren Phasen – zu einer tragenden Säule der Konjunktur werden. Eine höhere Lohn-Preis-Stabilität wäre für Japan ein ökonomischer Paradigmenwechsel, da nunmehr die lange Deflationsperiode überwunden werden konnte.
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